Nepal

Welcome home - at the bottom of the stairs on your way to the Kopan "Gompa" a warm welcome is waiting for you

September 2018 – Flughafen Istanbul – nicht das eigentliche Ziel der Reise, doch eine gute Einstimmung auf das, was mich an meinem Zielort erwartet. Es ist laut, voll mit Menschen aus aller Herren Länder und unzählige fremde Gerüche liegen in der Luft.

Wenige Stunden später – Sieben Uhr morgens, Kathmandu. Ich stehe im Nieselregen auf dem Vorplatz des Flughafens umringt von hunderten von Menschen und alle wollen mir etwas anbieten. “You need a driver?”, “You need a guide?” höre ich sie fragen. Aber ich brauche gar keinen Fahrer oder Guide, denn das ist bereits erledigt. Und hoppla, da sehe ich auch schon meinen Namen auf einer großen Tafel stehen.

Es ist kaum zu glauben, der Guide spricht sogar deutsch. Nur mit dem Fahrer praktiziere ich irgend etwas zwischen Englisch und wilder Zeichensprache – herrlich, ich liebe das! Deutsch sprechen in Asien fühlt sich irgendwie seltsam an. Wir warten noch auf Katja aus Freiburg und machen uns auf zu unserer Unterkunft etwas außerhalb der Stadt. Unser “begleitetes” Programm beginnt erst am morgigen Tag – der Guide empfiehlt uns, einen Ruhetag einzulegen. Einen Ruhetag? Wir haben einen ganzen Tag vor uns. Definitiv nicht mit mir – ich erkunde Kathmandu auch auf eigene Faust. Katja schließt sich mir an und wir düsen mit dem Taxi in die Stadt….

Kathmandu ist alles – schön, geheimnisvoll, voller kleiner versteckter Überraschungen, exotisch – aber eben auch laut, dreckig und nicht immer riecht es angenehm. Ehrlich!? Es stinkt an einigen Orten! Erschreckend sind für mich die immer noch sehr präsenten Schäden des verheerenden Erdbebens von 2015. Auf den Straßen herrscht ein buntes Treiben aus Fußgängern, Radfahrern, Motorrädern, Taxen und Kühen. Es wird gehupt und gerufen, ausgewichen – unglaublich viele Eindrücke prasseln in kürzester Zeit auf uns ein und betäuben die Sinne.

Insgesamt dreieinhalb Tage nehmen wir uns Zeit die Stadt und Umgebung zu erkunden, lernen die wichtigsten Sehenwürdigkeiten kennen, wandern, besuchen eine Klangschalen-Manufaktur, eine Malschule für Mandalas und buddhistische Stätten.

Aber Stop! Deswegen bin ich eigentlich gar nicht hier!

Ortswechsel – Ich befinde mich hoch über den Dächern der Stadt, schaue von oben auf Kathmandu. Fast 180 Grad weit ist der Blick. Es ist herrlich ruhig hier oben im Vergleich zu “unten in der Stadt”. Ich bin angekommen an meinem (eigentlichen) Reiseziel – “Kopan”, ein buddhistisches Kloster nordwestlich von Nepals Hauptstadt. 10 Tage lang soll es werden – mein “Retreat” – mein Rückzug aus dem Alltag. Dafür entsage ich gemäß den Klosterregeln meinen weltlichen Dingen wie Mobiltelefon, Musik und Büchern. Auch werde ich über einen Großteil der Zeit nicht Reden dürfen. Nur mein INR Testgerät durfte ich behalten – auch wenn es einiger Erklärung bedurfte wofür das denn wohl gut ist.

Im Gegenzug dafür bekomme ich einen Einblick in den Buddhismus und lerne zu meditieren. Genau deswegen bin ich hier. Das Schweigen fällt bereits nach kurzer Zeit immer leichter, ja, ich genieße es sogar sehr!

Und ich bin nicht allein hier – mit mir haben sich noch ca 55 weitere Interessierte aus 26 Nationen auf die Reise gemacht – eine Reise zu uns selbst. Und wir alle fügen uns in den strikt durchgeplanten Tagesablauf. Wir werden morgens um 6 Uhr geweckt. Dafür haben wir eine eigene Glocke. Ab ca 5 Uhr bimmeln unzählige Glocken durch das ganze Tal; da gilt es dann die richtige, die eigene, herauszuhören. Das klappt interessanterweise nach wenigen Tagen! Wow!

Nach der Morgenmeditation gibt es Frühstück und über den Tag verteilt Teachings und weitere Meditationen. Schluss ist dann so gegen 21 Uhr. Das Essen hier ist übrigens vegetarisch und wirklich lecker.

Nachmittag – Vom Klosterkaffee haben wir einen tollen Blick über die Stadt und den Flughafen. Okay, Kaffee gibt es grad nicht – der Strom ist mal wieder ausgefallen. Das ist bereits vorhersagbar; denn eigentlich passiert es jeden Nachmittag. Wer Kaffee möchte, muss früher aufstehen (vom Mittagsschlaf). Nach der Kaffeepause finden wir uns in unseren Diskussionsgruppen zusammen. Wir sind zu elft – mit der bunten Mischung über alle Nationen hat es nicht ganz geklappt. Wir sind vier Deutsche in der Gruppe, decken alle zusammen aber trotzdem den Rest der Welt ab. Wir diskutieren kritische Fragen des Buddhismus zu Wiedergeburt, Karma und Achtsamkeit. Was ich bereits in Neuseeland sehr zu schätzen gelernt habe, gilt auch hier: eine unglaublich offene Diskussionskultur. Jede Meinung ist willkommen, jeder Beitrag eine Bereicherung.

Early morning shot over Kathmandu mountain ranges. A monastery in the neighborhood in the morning clouds during sunrise.
Amitabha Gumba Foundation (Kloster) – Morgenstimmung

Der Buddhismus gilt, wie die meisten von uns wissen, nicht als Religion, sondern als Philosophie, und unterscheidet sich daher wesentlich von den sogenannten Glaubensreligionen wie Christentum oder Islam. “Anders als in den beiden großen Offenbarungsreligionen geht es im Buddhismus nicht um die Offenbarung des göttlichen Willens in einer Selbstmitteilung Gottes an die Menschen. Zentrum der buddhistischen Weltanschauung ist vielmehr die Erkenntnis der Wahrheit durch Erleuchtung; der Buddhist kann auf dem Weg der Meditation zur Erleuchtung gelangen”. Ich kam hierher, um Meditation kennen zu lernen – und ich habe so viel mehr gelernt. Es war eine Reise in mein Innerstes, meine Vergangenheit, meine Zukunft und mein Sein. Ich sehe wesentlich klarer den Weg der vor mir liegt. Voller Dankbarkeit, Inspiration und mit neuen Erkenntnissen kehre ich Heim nach Deutschland.

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